Marktkommentar: Schrecksekunde an den Börsen

Die Schrecksekunde der abgelaufenen Börsenwoche löste eine Äußerung der US-Finanzministerin Janet Yellen aus. Die frühere Notenbankchefin sagte in einem Interview, dass irgendwann die Zinsen in den USA auch einmal wieder steigen müssten, wenn sich die Wirtschaft nach der Coronakrise zunehmend stabilisiere. Dies sorgte für einen Tagesverlust von über zwei Prozent beim deutschen Leitindex Dax. Steigende Zinsen sind nicht förderlich für die Aktienkurse, da Alternativanlagen zu Aktien damit attraktiver werden. Zudem werden steigende Zinsen regelmäßig mit einer Konjunkturabschwächung in Verbindung gebracht. Die heftige Reaktion der Aktienmärkte auf die eigentlich nicht besonders überraschenden Aussagen der Finanzministerin verdeutlicht, wie sehr die Aktienmärkte durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken unterstützt werden. Ein wesentlicher Grund für die hohen Bewertungen liegt in dem extrem niedrigen Zinsniveau. Dieses wird jedoch trotz der Kommentare Yellens noch lange bestehen bleiben. Das sah der Markt auch so, weswegen sich die Aktienkurse im Wochenverlauf sehr schnell erholten.

Positive Überraschungen werden seltener

In dieser Börsenwoche trudeln die ersten Wirtschaftsindikatoren zum Monat Mai ein. Die ZEW-Konjunkturerwartungen werden durch das spürbar angezogene Tempo der Corona-Impfungen und die damit verbundenen Hoffnungen auf Lockerungen der wirtschaftlichen Beschränkungen weiter befeuert werden. Allerdings sind diese Verbesserungen für die Aktienmärkte nichts Neues mehr. Damit dürfte die Zeit positiver Überraschungen bei gesamtwirtschaftlichen Daten wie auch bei Unternehmensgewinnen langsam vorbei sein. Dies sollte zu einer Beruhigung der starken Kursanstiege bei Aktien in den kommenden Monaten beitragen.

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Christian Wiegand

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