„Ich spiele keinen Fußball, aber ich wollte trotzdem Teil des Spiels sein.“ So begann die Karriere von Pauline Linsel, einer 14-jährigen Schiedsrichterin und Leichtathletin aus Sömmerda. Ohne eigene Spielerfahrung hat sie sich ihren Platz im Fußball erobert und sie zeigt, dass Mut und Unterstützung der Schlüssel zu neuen Wegen im Sport sind.

Pauline wächst in einer sportbegeisterten Familie auf. Ihr Vater trainiert seit Jahren beim örtlichen Verein, und auch ihre Geschwister spielen leidenschaftlich Fußball. So entstand schließlich auch ihr eigenes Interesse, als ihr Vater sie fragte, ob sie Lust hätte, einen Schiedsrichter-Lehrgang zu besuchen.

Zunächst war Pauline unsicher: „Am Anfang dachte ich: Ist das das Richtige für mich?“ Doch schon während des Lehrgangs war sie begeistert. Der dreitägige Kurs hatte es in sich: fünf Stunden Regelkunde am ersten Tag, am letzten Tag ein Regel- und Lauftest. Als sie alles bestanden hatte, durfte sie sich offiziell Schiedsrichterin nennen.


Ihr erstes Spiel, ein lokales Duell in Erfurt, bleibt ihr bis heute in Erinnerung. Ein erfahrener Schiedsrichter aus dem Kreis stand ihr als Pate zur Seite und begleitete sie bei den ersten Einsätzen. „Ich war richtig aufgeregt. Ich wusste am Anfang gar nicht, wo ich hinlaufen soll.“ Doch mit jedem Spiel wuchs ihr Selbstvertrauen. Sie lernte, dass Fehler dazugehören: „Es ist okay, wenn ich einen Fehler mache, denn so kann ich mich weiterentwickeln.“


Heute pfeift Pauline vor allem Spiele im Kreis Sömmerda und Erfurt, meist in der A und B-Jugend bei den Männern und ab und zu auch Mädchenaltersklassen.  

Eine große Herausforderung für sie ist die Ungewissheit, wie ältere Spielerinnen und Spieler auf eine so junge Schiedsrichterin reagieren. Doch sobald sie anpfeift, ist die Unsicherheit verflogen: „Wenn ich anpfeife, dann bin ich voll im Fokus. Egal, welches Spiel ich pfeife, ich fühle mich immer gleich.“

Auch von den Zuschauern und Fans bekommt sie überwiegend positive Rückmeldungen. Schlechte Erfahrungen hat sie bisher keine gemacht.


Neben ihrer Tätigkeit als Schiedsrichterin ist Pauline leidenschaftliche Leichtathletin. Schule, Training und Spielleitungen unter einen Hut zu bringen, fällt ihr dennoch leicht. „Das Training für die Leichtathletik ist immer in der Woche, Schiedsrichterin bin ich am Wochenende. Und um die Schule kümmere ich mich nachmittags oder abends.“

2026 wird sie für ihre Leistungen in der Leichtathletik von der Sparkassenstiftung Sömmerda mit einem Stipendium gefördert.


Ein wichtiger Rückhalt sind ihre Eltern, durch die sie die Liebe zum Fußball entdeckt hat. Ihr Vater bringt sie regelmäßig zu Einsätzen und gibt Tipps. Ihre Mutter unterstützt sie beim Training und begleitet sie zu Wettkämpfen „Ich weiß das sehr zu schätzen, dass ich da immer Support kriege.“


Für Pauline ist das Schiedsrichter-Dasein mehr als nur ein Nebenjob. Sie liebt es, dem Fußball nahe zu sein, ohne selbst zu spielen. Über die Zeit hat sie ein großes Netzwerk aus Kolleginnen, Kollegen und Freunden aufgebaut. Ihr ist es wichtig, dass Kinder ihre Freude am Sport behalten und respektvoll miteinander umgehen.

Gleichzeitig hat sie einen kritischen Blick auf die Realität im Fußball: Gewalt gegen Schiedsrichter wird ihrer Meinung nach viel zu selten öffentlich thematisiert. Ihr Appell: „Wir brauchen mehr Berichte, damit junge Schiedsrichter nicht abgeschreckt werden.“

Selbstvertrauen und Ziele

Durch den Sport hat Pauline viel über sich gelernt: „Dass ich mehr kann, als ich mir zutraue oder als andere denken. Und dass ich meine Ziele erreiche – auch wenn es manchmal Umwege gibt oder ein paar Tränen fließen müssen.“

Jungen Menschen, die sich ebenfalls für eine Schiedsrichterlaufbahn interessieren, empfiehlt sie, sich einfach zu trauen. Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter werden überall gebraucht – es lohnt sich immer, es auszuprobieren.

Ein Blick in die Zukunft

Pauline hat große Pläne. Sie möchte weiter aufsteigen, irgendwann Männer-Ligen pfeifen, selbstbewusster werden und neue Fähigkeiten entdecken. Beruflich kann sie sich ein Sportstudium vorstellen, auch wenn sie sich noch nicht für einen konkreten Weg entschieden hat.

Paulines Geschichte zeigt, dass man keinen Spieler‑Hintergrund braucht, um im Fußball mitzuwirken. Mit Mut, Unterstützung und dem Willen, aus Fehlern zu lernen, hat sie ihren Platz auf dem Platz gefunden – und inspiriert andere, es ihr gleichzutun.