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Vorweihnachtliche Überraschung aus Japan

Ein Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Die großen westlichen Notenbanken hatten ihre Weihnachtsgrüße mit Zinserhöhungen bereits Mitte Dezember gesendet und damit den Finanzmärkten neue Orientierung gegeben. Da zum Jahresende die Handelsbücher quasi zugeklappt werden, hätte man von einer ruhigeren Woche an den Märkten ausgehen dürfen. Der zurückliegende Wochenstart passte dazu mit einem erwartungsgemäß höheren ifo Geschäftslimaindex. Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im Dezember sowohl bezüglich der Lagebeurteilung als auch bei den Geschäftserwartungen verbessert. Das ifo Geschäftsklima deutet zwar immer noch auf einen Rezessionsbeginn in Deutschland im vierten Quartal 2022 hin, diese könnte jedoch etwas geringer ausfallen als bislang befürchtet.

Am Dienstag geschah jedoch Unerwartetes, und zwar in Japan: Die dortige Zentralbank gab bekannt, dass auch sie ihren geldpolitischen Kurs (zaghaft) straffen wird. Nach Jahren der bedingungslosen monetären Expansion durch die Bank of Japan (BoJ) war frühestens im April 2023 mit dem Personalwechsel an der Notenbankspitze mit einem Kurswechsel gerechnet worden. Nun aber sorgte für weltweites Aufsehen, dass die BoJ das Renditeziel für 10-jährige Staatsanleihen von etwa 0,25 Prozent auf etwa 0,50 Prozent anhob. Dies ist keine Leitzinserhöhung und doch ließ es nicht nur in Japan, sondern auch in Europa und den USA die Kapitalmarktrenditen deutlich ansteigen. Die Aktienmärkte mussten kurzzeitig durchatmen. In besonderem Maße reagierten die Devisenmärkte: Der japanische Yen legte mehr als 4 Prozent gegenüber dem US‑Dollar zu. Dies war der höchste Tagesgewinn seit 1998, allerdings hatte der Yen in den vergangenen zwei Jahren auch bis zu 50 Prozent im Kurs verloren.

Offenkundig bleiben die Notenbanken mit ihrer Inflationsbekämpfung das grundsätzlich marktbestimmende Thema. Neue und gewichtige Informationen stehen für die letzte Woche des Jahres nicht mehr im Kalender. So könnte es eine ruhigere und besinnlichere Börsenwoche mit verhaltener Vorfreude auf ein besseres Kapitalmarktjahr 2023 werden.

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Christian Wiegand

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