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Marktkommentar: Inflation – von Beruhigung keine Spur

Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen

An den Märkten hingen offenbar die Erwartungen zuletzt so niedrig, dass sich die Aktienkurse sogar in einer Woche wie der soeben vergangenen überraschend gut halten konnten. Dabei fielen zu Beginn der Woche die Pegelstände am Rhein so tief, dass der Frachtschiffverkehr praktisch zum Erliegen kam. Die daraus resultierenden Transportprobleme schmerzen mehr denn je. Denn um den absehbaren Gasmangel mit Blick auf die Stromversorgung auszugleichen, brauchen die Kohlekraftwerke mehr Material. Dieses wird knapper und teurer, wenn es statt übers Wasser mühsam über die Schienen transportiert werden muss – von den Lieferkettenproblemen bei vielen anderen Gütern ganz zu schweigen.

Umso größer ist zurzeit die Freude über jeden Tropfen Regen, der den Transport übers Wasser erleichtert. Beim Thema Inflation ist hingegen von Entspannung keine Spur. Vielmehr steigen die Inflationserwartungen gerade wieder an. Grund dafür sind die seit Anfang August sprunghaft gestiegenen Strom- und Gaspreise. Unternehmen und private Haushalte werden dies in Form von höheren Energiekosten zu spüren bekommen.

In der kommenden Woche richten sich die Blicke der Finanzmarktteilnehmer Richtung Westen. Die jährlich stattfindende geldpolitische Konferenz der US-Notenbank Fed in Jackson Hole startet am Donnerstag. Gerade in einer Zeit, in der die Unsicherheit sehr hoch ist, dürfte jedes Wort von Fed-Chef Powell auf die Goldwaage gelegt werden. Die Frage steht im Raum, wie weit die US-Notenbank mit ihren Leitzinserhöhungen gehen wird. Interessant könnten auch Kommentare von Notenbankern werden, die sich mit der möglichen Inflationsentwicklung in einer Welt mit auslaufenden Globalisierungseffekten beschäftigen. Für den kurzfristigen Konjunkturausblick sind dagegen die Veröffentlichungen der vorläufigen Einkaufsmanagerindizes sowie des ifo-Geschäftsklimas für Deutschland relevant. Von ernüchternden Signalen für einen „frostigen“ Konjunkturwinter kann ausgegangen werden.

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Susanne Haack

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