Marktkommentar: Anti-Inflationskurs wirbelt Kapitalmarkt auf

Die Serie brutaler Kursbewegungen an den Aktien- und Rentenmärkten setzt sich fort. Der DAX verlor in der vergangenen Woche nochmals mehr als 7 Prozent. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen schoss zeitweise auf 1,8 Prozent nach oben. Relativ gesehen ist das der stärkste Zinsanstieg aller Zeiten, nachdem das Zinsniveau Ende 2021 in der Eurozone noch bei minus 0,2 Prozent gelegen hatte. Der Grund für diese spektakulären Kursbewegungen liegt darin, dass die Notenbanken beim Thema der Inflationsbekämpfung endlich aufgewacht sind. Hohe Inflationsraten lassen sich eben nur mit der Geldpolitik bekämpfen und nicht mit 9-EuroTickets oder Tankrabatten. Dementsprechend hatte die Europäische Zentralbank schon Anfang Juni eine Serie von Zinserhöhungen angekündigt, die bereits in diesem Jahr die Zinsen auf Bankeinlagen wieder zurückkehren lassen werden.

Am vergangenen Mittwoch setzte die US-Notenbank Fed mit der Erhöhung ihres Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent noch einen drauf. Das war der größte Zinsschritt seit fast 30 Jahren und unterstreicht, dass die Fed Ernst macht mit der Inflationseindämmung. Dass der Gefahr einer Verfestigung der gegenwärtigen Inflation nun endlich entgegengewirkt wird, ist eine gute Nachricht. Die Maßnahmen haben jedoch ihren Preis. Steigende Zinsen wirken konjunkturbremsend und üben Druck aus auf Staatshaushalte und andere hoch verschuldete Wirtschaftsteilnehmer.

Die nun absehbare Wirtschaftsschwäche ist es, die an den Aktienmärkten die Kurse nach unten drückt. Im Wirtschaftsablauf stellen solche Schwankungen eigentlich den Normalfall dar. Die Corona-Pandemie sowie der Krieg in Osteuropa sorgen allerdings dafür, dass die Unsicherheiten gegenwärtig doppelt hoch sind. Aber gerade in inflationären Zeiten bleiben Aktien ein aussichtsreiches Anlageinstrument zum Vermögenserhalt. Dies ist in langfristiger Perspektive zu sehen: Aktienkurse erholen sich, wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten wieder verbessern und gleichen dabei die zwischenzeitliche Inflation mit aus.

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Benjamin Beck

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