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Kapitalmarkt im Umbruch

Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Noch vor wenigen Monaten hätte sich kaum ein Teilnehmer an den Finanzmärkten vorstellen können, was sich heute mehr und mehr als neue Realität herausstellt. Der erwartete Aufschwung nach den Corona-Lockdowns ist zu einer weltweit kraftlosen Konjunkturerholung eingedampft worden. Aus den Deflationsbefürchtungen der zurückliegenden Jahre ist auf einmal eine ausgewachsene Inflation mit Teuerungsraten wie vor vierzig Jahren geworden. Die Notenbanken kommen mit ihren Zinssteigerungsabsichten zu spät. Die Ursachen hierfür sind schon während der Corona-Zeit durch eine Überhitzung der Nachfrage bei unterbrochenen Produktionsketten angelegt gewesen.

Der Ukrainekrieg hat das Problem der Materialknappheit noch einmal potenziert. An den Finanzmärkten sind die Reaktionen heftig. Anleihen verzeichnen starke Kursverluste, weil die Zinsen steigen. Aber selbst die Zinssteigerungen reichen nicht aus, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation wettzumachen. Aktien haben zwar ebenfalls deutlich korrigiert, halten sich jedoch – wie auch in der zurückliegenden Woche – vergleichsweise gut. Zum einen erwirtschaften die Unternehmen hohe Erträge und schütten gute Dividenden aus. Zum anderen sind die Bewertungen der Unternehmen inzwischen wieder günstig geworden. Immobilien erwirtschaften zwar auch im Inflationsumfeld gute Erträge, werden mittelfristig allerdings durch den Zinsanstieg ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Am besten kommen Sparer durch diese Wirren mit einer möglichst breiten Vermögensaufstellung, in der weltweite Aktien sowie ausgewählte Anleihen und Immobilienanteile neben einer Rohstoffbeimischung und einer Liquiditätsposition enthalten sind.

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Susanne Haack

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