Gelderziehung in der Familie

Wie schätzen Eltern die Finanzbildung ihrer Kinder im Alter zwischen 16 und 25 Jahren ein und was ist ihnen wichtig? Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Geld und Haushalt.

Wenn die Kinder flügge werden und selbstständig finanzielle Entscheidungen treffen müssen, schlägt für Eltern häufig die Stunde der Wahrheit. Kann der Nachwuchs mit Geld umgehen? Wo brauchen die jungen Erwachsenen noch Unterstützung? Und wie zufrieden sind die Eltern mit ihrer Gelderziehung? Dazu hat das Umfrageinstitut Kantar im Auftrag von Geld und Haushalt, dem Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe, 1.400 Eltern mit Kindern im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt.

Schlechtes Zeugnis für Finanzwissen der Kinder

In Summe geben sich die Eltern bei der Gelderziehung ihrer Kinder die Schulnote „zwei minus“. Das Interesse und die Kompetenz ihres eigenen Nachwuchses schätzen sie wesentlich geringer ein als bei sich selbst: Rund die Hälfte der Eltern bewerten ihr Finanzwissen mit gut oder sehr gut, nur ein Viertel schätzt das der eigenen Kinder entsprechend gut ein. Dem anderen Elternteil wird – vor allem von Männern – ebenfalls weniger Interesse (41 Prozent) und Wissen (36 Prozent) in Finanzfragen bescheinigt. In Familien, die die eigene finanzielle Situation eher schlecht betrachten, wird das eigene Finanzwissen negativer bewertet.

Wann über Geld gesprochen wird

Wie man mit Geld umgeht, ist laut den Befragten stark von der Herkunftsfamilie geprägt. Dementsprechend liegt die Hauptverantwortung für die Gelderziehung ihrer Meinung nach in der eigenen Familie und mit Abstand bei Freunden und Bekannten. Nur 14 Prozent der Eltern sehen die Schule als prägend für die Finanzbildung ihrer Kinder. Influencer, Blogger oder Soziale Medien haben aus Sicht der Eltern einen eher geringen Einfluss.

Geldgespräche sind innerhalb der Familie kein Tabu, in drei Viertel aller Fälle sind sich die Eltern grundsätzlich einig beim Umgang mit Geld – mit Ausnahme der getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern oder Alleinerziehenden.

Besondere Wünsche oder größere Ausgaben und größere Geldgeschenke sind gefolgt von Ausbildungs- oder Studienbeginn und Taschengeldfragen wesentliche Anlässe, mit dem Nachwuchs ein grundsätzliches Gespräch über Geld zu führen. In fast 60 Prozent der Familien, die ihre finanzielle Situation eher schlecht bewerten, führt das Thema zu Konflikten.

Sparsamkeit ist wichtigste Tugend

Gelderziehung sollte vor allem durch gezielten Rat und Vorbildfunktion der Eltern geschehen – mit
Einbeziehung der Kinder. Den meisten Eltern ist es wichtig, ihren Kindern Sparsamkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu vermitteln.

Geldgeschäfte mit Konto und Karte sind für rund 80 Prozent der 16- bis 25-Jährigen auch ohne Hilfe der Eltern kein Problem. Komplexere Finanzprodukte wie Sparanlagen oder Wertpapiere werden von den Heranwachsenden deutlich seltener genutzt. Dabei – und bei Behördenanträgen zu Bafög oder Wohngeld – ist die Hilfestellung der Eltern häufig nötig.

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Christian Wiegand

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