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Erholung trotz widriger Umstände

Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Die Aktienmärkte setzten in der zurückliegenden Woche ihren Höhenflug fort. Zwar sind die Kurse noch meilenweit von ihren bisherigen Höchstständen entfernt, sie verharren allerdings auch nicht mehr im Tal der Konjunkturtränen, in dem sie noch in den vergangenen Monaten verweilten. Grund dafür gibt es eigentlich nicht, denn die konjunkturellen Perspektiven haben sich noch nicht aufgehellt. Im Gegenteil: Immer deutlicher zeichnen sich die Schäden ab, die die hohen Inflationsraten beim Konsumenten anrichten. Die vergangene Kauflaune macht sich auch bei immer mehr Unternehmen bemerkbar. Sie melden wegen der schwächelnden Nachfrage steigende Lagerbestände. Die diskutierten Ausgleichsmaßnahmen durch steuerliche Erleichterungen sind von der Entlastungswirkung her zwar wichtig. Die Debatte darüber verdeutlicht jedoch, dass der Staat nicht alle inflationsbedingten Wohlstandsausfälle ausgleichen kann. Die Ungewissheit über die Energieversorgung in den kommenden Monaten ist ebenfalls nicht geringer geworden, so dass sich Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Ebenfalls belasten die niedrigen Pegelstände an Rhein und weiteren wichtigen Wasserstraßen. Damit verbundene Versorgungsengpässe vor allen Dingen süddeutscher Unternehmen setzen hier noch eins drauf.

Zu all diesen negativen Entwicklungen steht das freundliche Börsengeschehen anscheinend in deutlichem Widerspruch. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Aktienmärkte eine starke Abkühlung des Wirtschaftsgeschehens bereits in den vergangenen Monaten vorweggenommen haben. Der Blick geht schon wieder weit ins kommende Jahr hinein. Und hier zählt vor allem, dass die Gefahr weiterer Zinssteigerungen über das bisher angenommene Ausmaß sehr stark nachgelassen hat. Dies äußert sich in einer Erleichterungsrallye. Damit dürfte jedoch an den Aktienmärkten das letzte Wort über die gegenwärtigen widrigen Umstände noch nicht gesprochen sein.

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Susanne Haack

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