Beeindruckend: die ganz persönliche Laudatio zum Bürgerpreis

Khaled Nadeem beeindruckte mit seiner Rede anlässlich der Bürgerpreisverleihung Erfurt. Foto: Dirk Wächter

Bei der Bürgerpreisverleihung der Sparkassenstiftung Erfurt wurden unter anderem auch Dagmar Wühler und Sibylle Häfele geehrt. Sie engagieren sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und unterstützen sie dabei, sich sich in unserem Land zurechtzufinden. Einer der Flüchtlinge, Khaled Nadeem, hat bei der Verleihung eine beeindruckende Laudatio gehalten:

Guten Tag meine Damen und Herren,

zuerst möchte ich mich kurz vorstellen.

Mein Name ist Khaled Naeem. Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Hamma in Syrien. Wegen der diktatorischen Regierung in Syrien habe ich einen Teil meines Lebens in Syrien verbracht und einen Teil in Jordanien, weil sie ein Massaker in meiner Stadt gemacht haben.

Von 2011 bis 2015 habe ich in Jordanien studiert. Danach konnte ich mein Land nicht besuchen, weil ich den Militärdienst nicht gemacht habe.

Der schwerste Teil meines Lebens war nach dem Abschluss, da mein Visum abgelaufen war. Deshalb musste ich raus aus Jordanien gehen und ein anderes Land finden.

Alles hat am 25.9.2015 angefangen. Bei meiner Reise war ich zuerst allein ohne Freunde oder Verwandte, dann habe ich eine Gruppe kennengelernt und sie waren nett und gut zu mir. Trotzdem war ich total vorsichtig und hatte ich immer Sorge um meinen Reisepass.

Der schwerste Teil von der Reise war das Mittelmeer. Es war sowohl gefährlich als auch groß, deswegen sind wir mit dem Boot 6 Stunden gefahren und das Boot reichte für 35 Personen, aber wir waren 60 Personen. Außerdem ist der Motor zweimal kaputtgegangen, bis wir in Griechenland angekommen sind.

Als wir am Strand waren, sind ein paar Leute und Organisationen zu uns gekommen. Sie gaben uns Essen und zeigten uns den Weg. Danach sind wir nach Athen, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Österreich, Deutschland manchmal gelaufen und manchmal gefahren.

Über ein Jahr lang bin ich von einem Camp zum nächsten gezogen. Dies war sehr schwierig für mich.

Tareq und ich sind zusammen nach Erfurt gekommen und nach vielen Schwierigkeiten haben wir jeder eine WG gefunden und wir haben mit der Sprache angefangen. Gleichwohl waren wir einsam und allein, deshalb hat ein Bekannter von uns über Sibylle und Dagmar erzählt, dass sie nett und lieb sind und den Flüchtlingen helfen möchten.

In dieser Zeit war ich mit meiner B1-Deutschprüfung beschäftigt. Deshalb konnte ich nicht mitkommen, aber Tarek hat es geschafft. Anschließend bin ich auch hingegangen und es gab etwas, das mir wirklich gefallen hat, und das ist die Menschlichkeit und das Mitgefühl von Dagmar und Sibylle.

Wir haben mit der Sprache und dem deutschen System angefangen, weil die Sprache der Schlüssel für alles ist. Außerdem haben sie uns immer zugehört und das war wichtig, um die Sprache zu lernen und um uns auszudrücken und die Aussprache zu verbessern.

Und wenn wir über ein Problem reden, ist das immer lustig, weil es immer komisch klingt wegen der sprachlichen Missverständnisse.

Außerdem haben sie für uns Ereignisse und Tätigkeiten geplant, wie den Arabischen Essenstag. Und genau an diesem Tag haben wir viele Leute kennengelernt, mehr Freunde gefunden und das Essen war total lecker. Oder der Tag, an dem wir in Dagmars Ferienhaus zusammen gefeiert haben.

Für mich selbst haben sie ein Praktikum gefunden, und für meine Freunde Praktika und Arbeitsstellen. Zudem haben sie uns bei Problemen beraten, mit uns Lebensläufe und Uni- und Sprachkurs-Anmeldungen geschrieben, einen Platz in der Schule für die Kinder besorgt sowie uns beim Familiennachzug und bei Jobcenter-Angelegenheiten geholfen.

Sie waren in guten und schlechten Zeiten bei uns, gaben uns immer Unterstützung und wir lachen immer darüber, wenn wir uns daran erinnern.

Am Ende zeigt das alles, dass Sybille und Dagmar lieb sind und große Herzen für uns alle haben.

Darum will ich mich in meinem Namen und im Namen unserer Gruppe bei Dagmar und Sybille bedanken für alles, was sie für uns gemacht haben, und bei dem deutschen Volk, weil es uns die Grenze geöffnet hat.

Ein besonderer Dank geht auch an Constance (die Anwältin), weil sie alles moglich gemacht hat.

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