Ein revolutionärer Zug, der die Augen öffnet

Am 17. und 18. September 2019 war es wieder so weit. Wie schon im letzten Jahr war der „Revolution Train“ erneut zu Besuch in Mittelthüringen. Diesmal machte er für zwei Tage Halt in Sömmerda und ermöglichte es somit einigen unserer Mitarbeiter, das Projekt auch (noch) einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und das Drogenpräventionsprojekt hat einiges zu bieten.

Bevor man den „Drogenzug“ betritt, stehen außerhalb entlang des Zuges bereits mehrere Informationsstände zum Thema Drogen und Sucht. In Sömmerda waren unter anderen der Kinderschutzdienst, das Sömmerdaer DRK sowie der Sozialpsychiatrische Dienst vor Ort.

Steigt man nun in den Revolution Train ein, sieht der erste Waggon zunächst recht unspektakulär aus. Man bekommt ein Glas Wasser sowie eine Banane gereicht, was aufgrund der gewollten Temperaturschwankungen in den einzelnen Waggons, der allgemeinen Thematik sowie deren Umsetzung vor allem für Schulklassen Pflicht ist.

Währenddessen bekommt man die Entstehungs- und Hintergrundgeschichte des 165 Meter langen Zuges erklärt. Weitere Projekte sowie auch das Vorhaben des Revolution Trains 2.0 und erste Informationen zum Thema Sucht, illegale und legale Drogen werden thematisiert.

Danach geht es auch schon in den zweiten von sechs Waggons. Man betritt einen dunklen Raum mit leuchtenden Sitzflächen und Lampen auf dem Boden. Erst im Sitzen realisiert man, dass die Wände wie das Körperinnere eines Menschen gestaltet sind. Denn das ist auch ein Motto des Projekts: Der Körper ist auch eine Art Zug und man kann ihn entweder pflegen und gut behandeln oder ihn zerstören und gegen die Wand fahren. In welchen Zug des Lebens man einsteigt, entscheidet jeder selbst.

Haben alle Besucher Platz genommen, flimmert auf einem kleinen Bildschirm zunächst eine dunkle Gestalt auf, die im Laufe der Führung immer wieder als eine Art Erzähler auftritt und vor allem Schüler direkt darauf anspricht, ihren Fragebogen auszufüllen.

Der erste Film beginnt und stellt verschiedene Jugendliche vor, deren Geschichte von den Ursprüngen,  der Entwicklung und den Folgen einer Drogensucht, durch die verschiedenen Zugabteile hinweg nun erzählt wird. Es beginnt oft mit einer Zigarette oder alkoholischen Getränken und so landet der Besucher, nachdem die erste Leinwand hochfährt, in einer Bar.

Dort und in jedem einzelnen der kommenden Räume erzählt die begleitende (Schul)-Sozialarbeiterin etwas zur gesehenen Problematik. Anschließend durchlaufen die Besucher einen kleinen schmalen Gang mit verschiedenen Effekten, um einmal einen Rausch nachempfinden zu können. Nächster Raum, nächster Film. Die Geschichte der Jugendlichen geht weiter.

Während einige Personen aus der Geschichte keinerlei Drogen im Club zu sich nehmen, trinken andere Alkohol, rauchen und schmeißen sich Pillen. Es folgt eine wilde Autofahrt. Schon während des Zusehens wird man immer angespannter und erahnt bereits, wie der folgende Raum aussehen wird. Ein lauter Knall und die Leinwand fährt hoch. Dahinter steht ein kaputtes, zerbeultes Auto, das mit einem Motorrad zusammengestoßen ist.

Läuft man weiter, gelangt man in den nächsten Raum: eine kleine ungemütliche Gefängniszelle. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Fahrer wird verurteilt und verliert seine Freiheit, während eine Mitfahrerin auf einer Seite ihr Augenlicht verloren hat. Der Motorradfahrer hat den Unfall leider nicht überlebt. Vor allem bei zwei Protagonisten nimmt der Drogenkonsum zu. Man durchläuft noch einen Verhörraum, schaut den beiden Drogenabhängigen, Petra und Marcel, zu, wie sie ihren Körper und ihr Leben zerstören und steht anschließend geschockt im „Drogennest“ der beiden.

Nach einem Besuch im Arztzimmer, wacht Petra auf und braucht drei Jahre, um ihr Leben umzukrempeln, auch ihrem Kind zuliebe. Marcel schafft es nicht und setzt sich den „goldenen Schuss“. Der letzte Raum ist alt und heruntergekommen und stellt die letzte Station in Marcels Leben dar.

Das Schockierende daran ist wohl, dass die Geschichte der beiden auf wahren Begebenheiten beruht. Marcel hat es nicht überlebt und Petra sowie ihr Kind leiden gesundheitlich bist heute an ihrer Drogenvergangenheit. Die Führung ist vorbei und man steht erst einmal etwas bedrückt im Waggon, bevor man am Ende wieder in einem erhellten Abteil steht.

Über den Revolution Train

„Es wurde wiederholt bewiesen, dass der Mensch nur 10 % davon behält, was er hört, 15 % davon, was er sieht oder liest, 40 % davon worüber er mit jemandem spricht, aber bis zu 80 % davon, was er erlebt oder macht.“, schreibt der Revolution Train auf seiner Website. Diese Erfahrung hat wohl bereits jeder schon gemacht. Und gerade für Kinder ist es eine optimale Gelegenheit, direkt mit der Thematik konfrontiert zu werden und sich damit auseinanderzusetzen. Das Vorhaben der Macher spürt man erfolgreich in jedem Waggon, da man die Geschichte der Jugendlichen richtig miterlebt. Die Bilder prägen sich ein, alle Sinne werden aktiviert und die 90 Minuten vergehen wie im Flug.

Ein sehr interessantes und durchaus gelungenes Projekt, das die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das soziale Leben bei Drogenkonsum und -missbrauch bildhaft verdeutlicht. Neben dem Rauchen und Alkohol stehen unter anderem auch harte Drogen wie Crystal Meth oder Kokain im Fokus.

Der Zug ist wirklich eine kleine Revolution. Er öffnet Augen, macht auf die Thematik aufmerksam und bietet gerade für Schulen noch ein anschließendes Nachbearbeitungsprogramm. Hoffen wir, dass die Revolution noch auf einige überschwappt!

Text: Alexandra Voigt, Praktikantin Unternehmenskommunikation

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2 Gedanken zu „Ein revolutionärer Zug, der die Augen öffnet“

  1. Ein sehr informativer Artikel, der wachrüttelt. Ich wünsche mir, dass sehr viele junge Leute ihn besuchen und verstehen, wie leicht der Anfang ist und wie hart das Ende einer Drogensucht. Falsche Freunde, Probleme in der Schule oder mit den Eltern und schon ist man “drin” – aber es ist NIE eine Lösung Drogen zu nehmen. Es wird nur noch viel schlimmer. Dies alles wird im “Revolution Train” anschaulich und mit wahrem Hintergrund dargestellt. Ich werde auf jedem Fall die Ausstellung im Zug besuchen, wenn er in der Nähe ist.

    1. Benjamin Beck

      Schauen wir mal, wo der Zug im nächsten Jahr hält. Wenn es in unserem Geschäftsgebiet ist, werden wir auf jeden Fall wieder darüber berichten.

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