Nominiert zur Läuferin des Jahres – Tina Donder

Wir freuen uns, dass wir die 19-jährige Tina Donder als Stipendiatin der Sparkassenstiftung Sömmerda im vergangenen Jahr in ihrer sportlichen Leidenschaft finanziell unterstützen konnten.

Unsere ehemalige Sömmerdaer Stipendiatin liebt es, zu laufen. Ihre Spezialdisziplin ist der 3.000-Meter-Hindernislauf. Doch wir wollten wissen, wie sie es schafft, sich täglich zu motivieren, und fragten nach einem kurzen Bericht über schöne Erlebnisse und den Trainingsalltag:

Tina DonderJeden Tag, ob Wochenende, Sonn- oder Feiertag, steht bei mir mindestens eine Trainingseinheit auf dem Plan. Diese variieren aus Dauerläufen – kurz (8 km) bis lang (20 km), Krafteinheiten, Tempoläufen und spezifischen Koordinationen. Da ich Läuferin bin, ist das wöchentliche Ziel 80-100 km, heißt also täglich mehr als 10 km.

Eigentlich kann ich gar nicht genau sagen, woher ich meine Motivation ziehe. Ich weiß nur, dass es mir unheimlich Spaß macht, zu laufen, weil es mich irgendwie befreit.

Diese Momente, wenn man durch den Wald läuft und es rennt ein Eichhörnchen vor dir her, oder der Geruch von Bärlauch im Frühjahr, während die Sonne durch die blühenden Bäume leuchtet, treiben mich an und sind unbezahlbar. Man schafft es, die Natur von einer ihrer schönsten Seiten hautnah zu erleben. Zum anderen motiviert es mich, an meine Grenzen zu gehen und zu schauen, wo meine Stärken und auch Schwächen liegen.

Tina DonderDoch als Leistungssportlerin ist es nicht nur der Spaß, der einen voranbringt. Oftmals hat man Trainingseinheiten, die einem absolut keine Freude machen. Da muss man sich schon etwas anders motivieren oder manchmal auch einfach machen. Ich denke in diesen Momenten an eine Zielgerade oder letzte Runde von einem meiner Wettkämpfe, an meine Träume, Ziele und meine schönsten Erlebnisse.

Eines meiner schönsten Erlebnisse bisher war die Teilnahme der U20-WM in Eugene/USA. Ich durfte mit insgesamt 60 Athleten unterschiedlichster Disziplinen in die USA reisen und dort Quartier beziehen. Zu Beginn kannte ich fast niemanden, aber dies änderte sich schnell und wir wurden wie eine große Sportler-Familie. Als wir später auf die anderen Nationen trafen, hatten diese in puncto Zusammenhalt, Motivation und Begeisterung schon verloren. Dieses Gefühl war unbeschreiblich schön und ich dachte, es kann nicht noch besser werden.

Als dann mein Wettkampftag immer näher rückte, stieg meine Aufregung ins Unermessliche. Ich hatte dieses Feuer und dieses Selbstvertrauen. Ich hatte so lange gekämpft, gewartet und hart trainiert. Ich dachte einfach nur: „JETZT WILL ICH!“

Es war der 22.7.2014, 9:00 Uhr, und ich wurde aufgestellt. Fast allen stand die Aufregung ins Gesicht geschrieben. Dann kam der Startschuss und mein Kopf war leer, ich rannte einfach los, als gäb’s kein Morgen mehr. Jeden Kilometer zog ich ein kurzes Resümee, aber die Zeit war mir egal. Ich wollte nur noch eins. DAS FINALE!

Die erste Gruppe war weg, aber ich konnte mich in der zweiten Gruppe halten und in einer neuen persönlichen Bestzeit (10:14 Min.) den 8. Platz erreichen. Durch die gute Zeit gelang mir dann der Finaleinzug. Der Traum ging also weiter.

Tina DonderZwei Tage später war ich dann im Finale. Meine Beine waren nicht mehr ganz frisch. Ich hatte mir sogar eine Verletzung zugezogen. Mein Wadenbein war leicht angebrochen, wie sich später herausstellte. Aber das war mir egal. Ich konnte noch laufen und solange ich laufen konnte, war mir klar, dass ich das Finale laufen würde.

Als 12.-Schnellste von 15 Teilnehmern bestritt ich nun das Finale. Das Ziel war, meinen Platz mindestens zu halten, da die anderen teils älter und teils deutlich erfahrener waren.

Nun war es so weit. Keine optimalen Bedingungen für Bestzeiten: stürmisch und sehr heiß. Aber auf Bestzeit wollte so oder so niemand rennen. Jeder wollte nur noch eins: Sein Land vertreten und alles geben!

Noch motivierter und noch aufgeregter als im Vorlauf stellte ich mich an die Startlinie.

„READY!“ → „GO“

Mein Kopf – leer. Jetzt wollte ich nur noch eins – rennen.

Die erste Gruppe setzte sich wieder ab.

Ich lief zu Beginn irgendwo im hinteren Drittel. Ich nahm mir immer wieder eine Position vor und so kämpfte ich mich innerhalb der 7 ½ Runden so weit es ging nach vorne, konnte aber nicht einschätzen, wo ich mich gerade befand.Tina Donder

Im Ziel war ich dann Zehnte. Ich realisierte zu Beginn gar nichts, ich konnte meine Leistung nicht einschätzen, aber ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Erst als mein Trainer mit einem riesigen Grinsen angelaufen kam und mir sagte, dass ich 10. sei und die beste Europäerin, konnte ich feststellen, dass es wohl echt unglaublich war.

Ich denke, dass dieses Ereignis eines meiner schönsten Erlebnisse bisher war, und ich hoffe, da kommen noch einige mehr!

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Benjamin Beck

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