Sonderausstellung „Fasching, Fastnacht und Karneval in der ehemaligen DDR“

Eröffnung der Ausstellung in Weimar mit Herrn Dammeyer (Sparkassenvorstand r.) und Michael Danz (Präsident Landesverband Thüringer Karneval)

Die Sparkasse Mittelthüringen zeigt gemeinsam mit dem Landesverband Thüringer Karneval e.V. die Sonderausstellung „Fasching, Fastnacht, Karneval in der ehemaligen DDR“. In der Zeit vom 9. bis zum 23. Januar 2013 ist die Ausstellung in der Sparkasse am Weimarer Graben zu besichtigen.

Die Sonderausstellung mit dem Thema „Fasching, Fastnacht und Karneval in der ehemaligen DDR“ beschäftigt sich mit einem Bereich der Alltagskultur jenseits von Mauer und Stacheldraht, der den Bewohnern in den alten Bundesländern nur wenig bekannt ist, obwohl er in der Breitenkultur der früheren DDR im zeitlichen Entwicklungsablauf einen immer breiteren Raum einnahm. Diese vom Bundesverband des Deutschen Karnevals initiierte Ausstellung ist als ein Beitrag zum Transformationsprozess der Wiederherstellung der Deutschen Einheit zu verstehen, die zwar 1989 und 1990 rechtlich vollzogen wurde, aber bis heute nicht zum Abschluss gekommen ist. Dies hat seine Ursachen vor allem darin, dass den Bürgern in den alten Bundesländern der Alltag in der ehemaligen DDR bis heute weitgehend fremd geblieben ist. Ein Blick vor und hinter die Kulissen eines Festes, das von ganz anderen Rahmenbedingungen als der Karneval in der Bundesrepublik Deutschland geprägt war, kann sicher zum besseren gegenseitigen Verstehen seinen Beitrag leisten.

Der Karneval in der ehemaligen DDR konnte nicht auf die vorhandenen historischen Traditionen zurückgreifen. Zuerst staatlicherseits weitgehend ignoriert, da er als überholtes Relikt einer überholten Bürgertradition galt, zwang seine zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung dazu, ihn als Objekt der Kulturförderung und das hieß im Sozialismus auch immer als Gegenstand der inhaltlichen Beeinflussung zu begreifen. Seine Arbeit unter den Bedingungen einer staatlich gelenkten Planwirtschaft legte es aber auch nahe, ihn soweit wie möglich unter die Trägerschaft von volkseigenen Betrieben zu stellen.

Die Ausstellungskonzeption knüpft an der zahlenmäßigen Bedeutung der Karnevalsklubs in der DDR an, die im Vergleich zur Entwicklung in den westdeutschen Ländern größer gewesen ist. Sie versucht, die Stellung des Phänomens im Vollzug des Aufbaues des Sozialismus in der früheren DDR zu orten und die dabei praktizierten staatlichen Überwachungs- und Beeinflussungsmethoden aufzudecken.  Sie zeigt, wie sich im Doppelzugriff über die Kulturhäuser und Fortbildungs-Werkstätten, aber auch von Seiten der Staatssicherheitsbehörden die Aktiven stets in der „Kunst des Möglichen“ zu üben und zu bewähren hatten. Unter diesen Bedingungen war es schon ein kleines Wunder, dass sich der DDR-Karneval dennoch zu einem für das System immer gefährlicher werdenden Ventil der Meinungsfreiheit zu entwickeln vermochte. Opfer blieben natürlich dann nicht aus, wenn die Aktiven nicht davor zurückscheuten, für ihre Sache öffentlich zu demonstrieren.

Ein ganzes Jahr lang haben die in die Ausstellungsarbeit eingebundenen Mitarbeiter aus den alten und neuen Bundesländern Sach-Objekte zusammengetragen, die nicht nur als ein materieller Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung der DDR-Epoche zu bewerten sind, sondern auch den Besucher der Ausstellung einen lebendigen Einblick in die Lebensbiographie der Deutschen jenseits von Mauer und Stacheldraht ermöglichen werden. Damit die gesammelten Zeitzeugen auch für die Zukunft gesichert bleiben, gehen diese nach Abschluss der Sonderausstellung in die Bestände des Deutschen Fastnachtmuseums über.

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Susanne Haack

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